Vereine im Havelland rechnen mit WM-Boom

Titelgewinn könnte Fußballtrainer-Mangel noch verschärfen

15.07.2014 | Märkische Allgemeine / Oliver Fischer und Axel Eifert

Der deutsche Finalsieg bei der Fußball-WM hat das ganze Land begeistert. Bei den örtlichen Sportvereinen im Havelland wappnet man sich deshalb schon für einen Ansturm neuer Nachwuchs-Kicker. Ein Problem könnte es jedoch geben: Den Fußballern fehlt es an Übungsleitern.

Havelland. Ingo Mißmann, Jugendleiter beim VfL Nauen, hat entsprechende Entwicklungen schon beobachtet. „Im Verein und in der Schule, wo ich als Lehrer arbeite, ist das Interesse am Fußball spürbar gewachsen, auch bei den Jugendlichen, die schon mal im Verein gespielt haben“, sagt er.
 
Barbara Richstein, Vorsitzende des SV Falkensee-Finkenkrug, geht deshalb von steigender Nachfrage am Vereinsfußball aus: „Wir haben in Brasilien sehr attraktiven Fußball gesehen und es gibt eine Reihe neuer Vorbilder. Das dürfte für viele Kinder eine Motivation sein, jetzt selbst zu kicken.“

Marco Geppert, Fußball-Nachwuchstrainer bei Grün-Weiß Brieselang, rechnet zudem mit dem demografischen Faktor. „Es kommen ja jetzt die geburtsstarken Jahrgänge“, so Geppert. Deshalb rechnet er vor allem mit einem starken Zulauf bei den kleineren Kindern.
 
Detlef Plückhahn hat eine Vorstellung davon, was jetzt auf die Fußballvereine zukommt. Plückhahn, der viele Jahre Vorsitzender des Handballvereins SSV Falkensee war, hat 2007 nach dem WM-Sieg der deutschen Handballer Vergleichbares erlebt. „Damals gab es in unserem Verein einen Boom. Der Zulauf wirkt bis heute nach“, sagt er. Bei den Fußballern werde das ähnlich sein. „Alle Jungs werden versuchen, den Ball mit der Brust zu stoppen und volley abzuziehen, so wie es Mario Götze im Finale vorgemacht hat. Beim Handball versuchen auch immer noch alle, den Drehwurf von Außen nachzuahmen, den die deutschen Weltmeister gezeigt haben“, so Plückhahn.
 
Ein Problem könnte es aber geben: Den Fußballern fehlt es an Übungsleitern. „Es gibt kaum noch Freiwillige, die das ehrenamtlich machen wollen. Ich kann mir vorstellen, dass manche Vereine deshalb sagen, wir können keine Kinder mehr aufnehmen“, sagt Marco Geppert. Auch bei FF wird man künftig intensiver um Übungsleiter werben müssen. Barbara Richstein: „Auf diesem Gebiet Nachwuchs zu akquirieren, ist schwierig. Jeder Interessierte ist da herzlich willkommen.“