Falkensee: Besser als im Möbelhaus

CDU-Spitzenkandidat Schierack besucht Fliedners Werkstätten

26.08.2014 | Märkische Allgemeine | Anja Meyer

CDU-Landeschef Michael Schierack besuchte am Montag die Falkenseer Fliedner-Werkstätten in der Halleschen Straße. Hier arbeiten 70 Behinderte täglich von 7.30 bis 15 Uhr. Fliedners Ziel ist es, die Menschen zur Selbstständigkeit zu fördern. Langfristig sollen sie reguläre Jobs aufnehmen.

Falkensee. „Das ist hier ja wie bei Ikea“, scherzt Michael Schierack, Brandenburger CDU-Spitzenkandidat in der Lagerhalle der Fliedner-Werkstätten. „Wir sind besser“, entgegnet Axel Budzinzki, Regionalleiter der Fliedner-Werkstätten im Havelland. Er führte den CDU-Landeschef Schierack am Montag durch die Behindertenwerkstatt in der Halleschen Straße von Falkensee, in der 70 Behinderte täglich von 7.30 bis 15 Uhr arbeiten. Begleitet wurde Schierack auf seiner Landtagswahlkampf-Tour von Barbara Richstein, CDU-Direktkandidatin im Wahlkreis Havelland II, und Uwe Feiler, CDU-Bundestagsabgeordneter.
 
„Die Gesellschaft ist von Inklusion noch weit entfernt“, zog Schierack sein Fazit aus den Diskussionen mit Fliedners-Mitarbeitern und Behinderten. „Und das betrifft nicht nur die Schulen, sondern auch den Arbeitsmarkt“, so Schierack weiter. Budzinkski machte deutlich, dass Behinderte immer noch viel zu wenig in den Arbeitsmarkt integriert werden, weil es Berührungsängste von Unternehmen gibt. Er wünscht sich mehr Dialog mit der Wirtschaft, um Vorurteile abzubauen.
 
Davon, dass behinderte Menschen zuverlässig und genau arbeiten können, überzeugten sich die Politiker bei dem Rundgang durch die Werkstätten selbst. Da werden Grußkarten gefaltet, Akten vernichtet, Hygieneunterlagen für Krankenhäuser verpackt, Bohraufsätze in Plastikhüllen gesteckt, Kabel geschnitten und Waschmaschinenschläuche für Baumärkte gepackt. In der Lagerhalle rangieren Behinderte die für den Kunden fertigen Waren mit dem Gabelstapler.
 
Schierack ist überzeugt: „Bei Fliedners herrscht eine ruhige, angenehme Atmosphäre“, sagte er. „Das Schöne ist, dass hier auf die Besonderheiten des Einzelnen eingegangen wird“, fügte Richstein hinzu. Sie war besonders von einer jungen Dame beeindruckt, die mit nur einer Hand routiniert Karten zusammenfaltet.
 
Der Besuch bei Fliedners brachte den Politikern auch gleich einen neuen Arbeitsauftrag: Die Schwierigkeit der Rückkehr für Beschäftigte, die extern einen Arbeitsplatz annehmen.
 
Fliedners Ziel ist, die Menschen zur Selbstständigkeit zu fördern. Langfristig sollen sie reguläre Jobs aufnehmen. Das Problem: Die Arbeit bei Fliedners ist eine sogenannte berufliche Rehabilitation. Sobald die Behinderten nur einen Tag sozialversicherungspflichtig auf dem freien Arbeitsmarkt arbeiten, sind aus der Maßnahme heraus. Wenn sie – aus welchem Grund auch immer – zu Fliedners zurück wollen, ist das nicht möglich. „Viele trauen sich deshalb gar nicht erst, eine Stelle anzunehmen“ erklärt Regionalleiter Budzinski.
 
In den Bundesländern Hamburg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen funktioniert das Zurückkehren in die Behindertenwerkstatt mit dem Budget für Arbeit – in Brandenburg nicht. Budzinski appellierte an die Politik, das auch in Brandenburg einzuführen. „Wir hoffen, dass das Bundesteilhabegesetz hilft“, sagte Budzinski. Das trete frühestens 2016 in Kraft.
 
Weder Schierack, noch Richstein war die im Sozialgesetzbuch verankerte Regelung zuvor bewusst. „Wir prüfen das, daraus könnte sich eine Initiative für den Landtag ergeben“, so Schierack. 
Nach dem Besuch bei Fliedners setzte Schierack seinen gestrigen Wahlkampf-Tag mit Besuchen in Kremmen, Hohen Neuendorf und Wustermark fort.